
- Frauen brauten in Berlin über Jahrhunderte – vom Mittelalter bis zur Industrialisierung.
- Ihr Einfluss schwand mit der Professionalisierung des Brauwesens, kehrte aber in Krisenzeiten zurück.
- Heute erleben wir eine Renaissance der Brauerinnen in der Craft-Bier-Szene.
Grüß Gott, liebe Bierfreunde! Haben Sie sich jemals gefragt, welche Geheimnisse sich hinter dem schäumenden Gerstensaft verbergen, der seit Jahrhunderten unsere Kehlen benetzt und unsere Herzen erwärmt? Ich bin Benedikt Hopfenmaier, ehemaliger Braumeister aus Bayern, und ich möchte Sie mitnehmen auf eine Reise in die Geschichte der Frauen in den Berliner Brauereien. Eine Geschichte, die oft übersehen wird, aber untrennbar mit der Bierkultur der Hauptstadt verbunden ist.
Kurz gesagt :
- Frauen dominierten das Berliner Brauwesen vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit, oft als Witwen mit Braurecht.
- Mit der Professionalisierung und den Brauerinnungen im 17./18. Jahrhundert wurden Frauen von der Meisterprüfung ausgeschlossen, blieben aber als Händlerinnen oder Organisatorinnen aktiv.
- Im 19. Jahrhundert arbeiteten Frauen in Großbrauereien vor allem in der Abfüllung, verdienten nur 50–60 % des Männerlohns und hatten kaum Sozialleistungen.
- In den Weltkriegen übernahmen Frauen Männerrollen wie Bierkutscherinnen, wurden aber nach Kriegsende wieder verdrängt.
Warum die Geschichte ohne Frauen unvollständig ist
Die Geschichte des Berliner Bieres wird meist mit großen Männern verbunden, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Frauen waren über Jahrhunderte das Rückgrat des Brauwesens – als Brauerinnen, Gastwirtinnen und Unternehmerinnen. Ohne sie hätte Berlin nie seinen Ruf als Bierstadt erlangt. Ich finde, es wird Zeit, diese Heldinnen ins Licht zu rücken.
1. Die Anfänge: Das Braurecht der Frauen im Mittelalter
Im Mittelalter brauten vor allem Frauen – das Brauen war Hausarbeit, wie Brotbacken oder Kochen. In Berlin und Cölln besaßen verwitwete Bürgerinnen das Recht, das Gewerbe ihres Mannes fortzuführen, einschließlich des Braurechts. Die Zunftrollen des 15. und 16. Jahrhunderts nennen immer wieder „Braufrauen“, die das Bier selbst herstellten und verkauften. Für viele Witwen war die Brauerei die einzige Möglichkeit, ihre Familie zu ernähren. Sie kümmerten sich um alles: vom Einkauf des Getreides bis zum Ausschank.
Besuchen Sie das Märkische Museum, um Originaldokumente und Alltagsgegenstände dieser Zeit zu sehen – dort wird das mittelalterliche Brauwesen lebendig. Ich habe dort Stunden verbracht und mich gefühlt wie in einer Zeitmaschine.
2. Der Wandel in der Frühen Neuzeit: Vom Hauswerk zur gewerblichen Brauerei
Im 17. und 18. Jahrhundert änderte sich die Rolle der Frauen grundlegend. Mit der Einführung der „Weißbier-Ordnung“ und dem steigenden Kapitalbedarf wurde das Brauen professionalisiert und männlich dominiert. Die neuen Brauerinnungen schlossen Frauen von der Meisterprüfung aus. Aber sie verschwanden nicht – sie wurden Bierhändlerinnen, führten Gastwirtschaften oder arbeiteten als Hilfskräfte. Oft waren es die Ehefrauen, die die Buchhaltung und Organisation übernahmen, während ihre Männer den Ruhm ernteten. Das erinnert mich an viele moderne Betriebe, wo die Frauen im Hintergrund die Fäden ziehen.
3. Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert: Frauen als Arbeitskräfte
Mit den großen Aktienbrauereien wie Schultheiss oder Berliner Kindl entstand ein neuer Bedarf an Arbeitskräften. Frauen wurden vor allem in der Flaschenabfüllung und Verpackung eingesetzt – körperlich anstrengende Arbeit im Akkord, schlecht bezahlt. Sie verdienten nur 50 bis 60 Prozent des Männerlohns. Ich habe selbst in meiner Zeit als Braumeister gesehen, wie ungerecht die Bezahlung sein kann. Die Lohnungleichheit war ein Skandal, der sich durch die ganze Branche zog.
| Bereich | Frauen | Männer |
|---|---|---|
| Lohn (in Prozent des Männerlohns) | 50–60 % | 100 % |
| Arbeitszeiten | 10–12 Stunden täglich | 10–12 Stunden täglich |
| Sozialleistungen | Kaum vorhanden | Betriebskantinen, Unterstützungskassen |
4. Die „Bierkutscherinnen“ und der Erste Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg führte zu einem massiven Arbeitskräftemangel. Frauen übernahmen Männerrollen: Sie fuhren Bierfässer mit Pferdefuhrwerken durch die Stadt, arbeiteten im Sudhaus und in der Instandhaltung. Diese „Bierkutscherinnen“ waren eine Sensation – stark, mutig und unabhängig. Nach dem Krieg wurden sie jedoch wieder verdrängt, um den heimkehrenden Soldaten Platz zu machen. Die Geschichte wiederholte sich im Zweiten Weltkrieg. Es ist beschämend, wie schnell ihre Leistungen vergessen wurden.
5. Die Nachkriegszeit und die Gegenwart: Der lange Weg zur Gleichberechtigung
Nach dem Krieg entwickelte sich die Situation in Ost und West unterschiedlich. In Ost-Berlin propagierten die volkseigenen Brauereien die Gleichberechtigung, aber Frauen blieben in untergeordneten Positionen. In West-Berlin war das Brauerhandwerk lange eine Männerdomäne. Erst in den 1970er und 1980er Jahren setzten sich die ersten Frauen gegen massive Vorurteile durch. Heute ist die Zahl der Brauerinnen deutlich gestiegen, besonders in der Craft-Bier-Bewegung. Ein Beispiel ist die Brauerei „Frau Gruber“ in Berlin-Kreuzberg, die von einer Frau gegründet wurde und traditionelle Biere braut.
Die 4 häufigsten Fehler, die Sie vermeiden sollten
- Annahme, Frauen hätten nie gebraut – falsch, sie waren die primären Brauerinnen im Haushalt.
- Gleichsetzung von „Brauerin“ mit „Kellnerin“ – sie waren auch Unternehmerinnen und Produzentinnen.
- Annahme, der Ausschluss sei „natürlich“ gewesen – er war das Ergebnis von rechtlichen und wirtschaftlichen Veränderungen.
- Fokussierung nur auf große Brauereien – die Geschichte spielte sich oft in kleinen Gasthausbrauereien ab.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann war die Blütezeit der Frauen im Berliner Brauwesen?
Die Blütezeit lag im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit, etwa vom 14. bis zum 17. Jahrhundert, als das Brauen eng mit dem Haushalt verbunden war.
Gibt es in Berlin heute noch Spuren dieser Geschichte?
Ja, das Märkische Museum zeigt historische Exponate, und die Berliner Kindl-Brauerei, heute ein Kulturzentrum, erinnert an die weiblichen Arbeitskräfte.
Welche Rolle spielten Frauen nach ?
In Ost-Berlin wurden sie offiziell gefördert, blieben aber in untergeordneten Positionen. In West-Berlin waren sie lange eine seltene Ausnahme. Erst seit den 2000er Jahren gibt es eine sichtbare Präsenz in der Craft-Bier-Szene.
Gibt es Vergleichbares in Frankreich?
Ja, ähnliche Entwicklungen gab es in Frankreich. Das Gesetz „Loi Le Chapelier“ von 1791 schaffte die Zünfte ab, aber die soziale Praxis blieb männlich dominiert. Heute fördert der Verband „Les Brasseurs de France“ aktiv die Integration von Frauen.
Ich hoffe, diese Reise durch die Geschichte hat Ihnen neue Perspektiven eröffnet. Prost! Und denken Sie daran: Beim nächsten Schluck Berliner Bier stoßen Sie auch auf die Frauen an, die dazu beigetragen haben. Wohl bekomm’s!




